WHY NEVER SAY SORRY

Didn't you know that love means never to say that your sorry?
How could you hurt the one you love, just like you don’t care… 

So lauten vier Zeilen des Liedes Love Means Never To Say I'm Sorry des jamaikanischen Sängers und Produzenten Beres Hammond – in meiner Lieblingsversion gesungen von der wunderbaren Cameal Davis….

Diese Zeilen entstammen einem sehr schönen, aber auch jammervollen Liebeslied. Ich höre in letzter Zeit oft Sorry, zum Beispiel wenn Menschen, die sich egoistisch, gedankenlos oder menschlich zweifelhaft verhalten haben, ihrem Fehlverhalten entweder ein kindlich-hilfloses Sorry hinterher murmeln, das in meinen Ohren so klingt wie: Du musst mich nicht klein machen, ich bin es schon selber. Von Männern, die total korrekt im Umgang mit Frauen sein wollen, wird hingegen oft ein prophylaktisches Sorry vorgeschoben. Sie entschuldigen sich also quasi vor jedem Satz, weil sie Dich unterbrechen oder gar mal Tacheles mit Dir sprechen müssen, wo wir doch so sensible Wesen sind. Und dann gibt es da noch das hilflose Sorry von Menschen, die so befreit von Empathie sind, dass sie nie ahnen, warum sie durch Worte oder Taten bei Prinzessinnen und Königinnen zuweilen Tränenströme oder Wutanfälle auslösen. Deren Sorry klingt in meinen Ohren wie: Komm mal mit deinen Emotionen klar Frau, ich habe zum Glück keine…

Prinzessinnen und Königinnen stehen zu ihren Taten und Gefühlen

In meiner Welt – und zwar nicht nur in der privaten, sondern auch im Job – dürfen und sollen Prinzessinnen und Königinnen, die Emotionen haben, diese auch zeigen. Ihnen ist es erlaubt schallend zu lachen, mit Champagner auf ihre Erfolge anzustoßen, am nächsten Tag Kater zu haben und alle anzumeckern, die zu laut reden oder sich elegant auf dem Absatz umzudrehen, um den Tatort zu verlassen. Wozu haben wir Emotionen und vor wem müssen wir sie wieso verstecken? Und ja, auch Frauen kennen verletzte Eitelkeit, entwickeln Wut gegen Arroganz, Ignoranz, Dominanz, Ungerechtigkeit oder Ungleichbehandlung. Und – huch – sogar Prinzessinnen und Königinnen werden an machen Tagen von Hormonen regiert, die sie ebenso wenig kontrollieren können wie Männer.

Ein Hoch also zunächst auf alle Prinzessinnen und Königinnen, die zu dem stehen, was sie denken, fühlen und machen und wenn es in der Hitze des Gefechts mal etwas emotional oder laut wird, dann ist das eben so und dafür muss sich keine von uns entschuldigen. Andere Königinnen sehen das in der Regel ebenso und beim nächsten Zusammentreffen wird sich kurz angegrinst und Schwamm drüber. Bei Sachproblemen mit Klärungsbedarf reicht es meines Erachtens nach vollkommen, wenn Königinnen oder Prinzessinnen nach vorne statt zurück schauen. Wo sich Diskutant*innen darüber einig sind, eine Lösung finden zu wollen, sollte es keiner Seite darum gehen, Recht zu behalten. Entschuldigt wird sich nicht, denn Synonyme zum deutschen Pendent Entschuldigung sind laut Duden Alibi, Ausflucht, Ausrede, Rechtfertigung und Vorwand. Mit einer Entschuldigung bittet man sein Gegenüber um Nachsicht, Verständnis, Verzeihung oder gar göttliche Vergebung…

Wann muss eine Prinzessin oder Königin sich entschuldigen?

Eher selten, meine ich. Denn Schuld ist ein großes Wort. Größer als Sorry, und wer lädt überhaupt wann und wie Schuld auf sich? Schuld wird in der Ethik in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet:

  • Schuld für die Verletzung wohlverstandener Interessen anderer
  • als moralische Bewertungskategorie
  • ein Verstoß gegen das eigne Gewissen

Im rechtlichen Sinn ist Schuld ein Verstoß gegen Recht das Gesetz. Hingewiesen sei an dieser Stelle auf Artikel 3 unseres Grundgesetzes:

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt.

Ein ungeschriebenes Gesetz scheint es hingegen zu sein, dass man sich als Frau nicht auseinandersetzen darf – und wenn, dann nicht emotional. Und falls es doch passiert, gehört es offensichtlich zur Etikette, sich zu entschuldigen.

Mir erscheinen emotionale Debatten durchaus als zutiefst menschlich und normal, deshalb muss sich auch keine von uns Sorry sagen. Weder zuhause noch im Büro.

Lächelnd wieder aufeinander zugehen 

In den eher selten Fällen, in denen eine Prinzessin oder Königin sich tatsächlich daneben benommen, im Ton vergriffen oder einen sinnlosen Streit vom Zaun gebrochen hat, gilt es den Frieden wieder herzustellen. Wenn klar ist, dass von Schuld keine Rede ist und vermutlich auch nie war, dann ist es richtig, als Prinzessin oder Königin einzulenken und vom hohen Ross der Eitelkeit oder Verletztheit herunterzusteigen. Sorry kann Frau dabei getrost aus ihrem Wortschatz streichen, denn zumeist ist dieses Wörtchen eine Phrase, oft gedankenlos und manchmal sogar ein Machtinstrument,

Ich persönlich suche nach Konflikten, die mich emotional oder inhaltlich beschäftigen nach einer Zeit der Selbstreflektion das persönliche Gespräch mit der entsprechenden Person. Im Idealfall unter vier Augen und wenn die Emotionen sich etwas gesetzt haben. Ich erkläre dann ohne Angriff oder Einordnung der anderen Person mein eigenes Verhalten und bitte mein Gegenüber um Erläuterung ihrer Aktion oder Reaktion. So können wir beide etwas übereinander und unsere Triggerpunkte lernen und nach dem Gespräch  lächelnd wieder aufeinander zugehen. Und statt übereinander reden wir miteinander. Aber davon mehr in meiner nächsten Kolumne.

 


Fanny Zschau hat im Berliner Verlag und bei Gruner + Jahr gelernt und die Abteilung Corporate Publishing für die Handelsblatt Media Group – heute planet c – mit aufgebaut. Sie leitet das weibliche Redaktionsbüro Digital Diva Deluxe I Media Services und ist im Vorstand des gemeinnützigen Vereins Digital Diva Deluxe I The Network e. V., der sich der Gleichstellung der Frau in Beruf, Gesellschaft und Politik widmet.
Foto: Anna Fiolka Photography