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Streetartistin Confatty
Bunte Seele im schwarzen Pullover

Confatty bezeichnet sich selbst als Feminist, Artivist und Streetartist. Sie setzt sich mit ihren provokanten schwarz-weißen Illustrationen gegen Sexismus, Rassismus und für die Selbstbestimmung aller Frauen* ein. Confatty klebt überall in der Stadt ihre Sticker, stellt Buttons her und ist auf kreativen Messen präsent. Sie möchte uns nicht ihren Namen verraten um ihr Privatleben zu schützen. Wir haben sie online getroffen und zu ihrer Motivation befragt und was sich für sie in der Krise verändert hat.

Seit wann gibt es Confatty, wie hat alles angefangen? Welche Philosophie steckt dahinter? Gestartet bin ich bei Instagram, den ersten Upload von Confatty gab es im September 2018. Der Grund? Ganz persönlich, aus Liebe! Ich wollte etwas ausprobieren und war neugierig. Sich für etwas stark machen und dann so gute Resonanz auf meine Zeichnungen zu bekommen, damit habe nicht gerechnet.  Zu Anfang habe ich zwar auch feministischen Content gezeichnet und gepostet, aber es hatte noch nicht die klare Ausrichtung, wie sie jetzt zu sehen ist. Und ich merke, Confatty formt sich immer mehr. Die Charaktere verändern sich. Ich habe in den letzten beiden Jahren viel dazugelernt und ich bin sehr dankbar, für all die Erfahrungen die ich dadurch machen konnte.

Antirassistisch, queer, nachhaltig – DIY OR DIE

Das Thema Empowerment ist mir sehr wichtig. Explizit das Thema Selbstwirksamkeit. Gerade für Frauen*, die aufgrund von nicht „normkonformen“ Körpermerkmalen wie sie in Mainstream Medien propagiert werden, keine guten Erfahrungen im Laufe ihres Lebens, sprich Diskriminierungserfahrungen machen mussten. Das Stichwort ist Bodyshaming. Politisch positioniere ich mich nicht nur ganz klar gegen patriarchale Systeme und Strukturen, ich vertrete auch als Streetart Artivist linke, grüne Werte. Antirassistisch, queer und nachhaltig. Nachhaltigkeit in Bezug auf unsere schöne Erde ist auch ein Thema für mich. Das alles bewegt mich als Mensch, und das möchte ich zeichnerisch, einfach und in Schwarz-Weiß darstellen.

Ich zeichne übrigens ausschließlich auf dem Handy und bin auch in Bezug auf meine Garderobe eine Minimalistin. Deswegen trage ich immer einen schwarzen Pullover. Gegenstände und Dinge bestmöglich zu nutzen und nicht ständig große Anschaffungen zu tätigen, davon bin ich eine große Freundin. Ich mache das allermeiste selbst. Frei nach Schnauze. DIY OR DIE. 

sw Illustration Frau saht das System ist falsch nicht du

Frauen* sprachlich sichtbar machen

Meine Zeichnungen und Statements sind an alle Menschen gerichtet, die Bock darauf haben. Meine Arbeiten empfinde ich als ehrliche und authentische Dokumentation des Zeitgeschehens. Die Liebe und Unterstützung gilt aber in erster Linie allen Menschen die als Frauen* gelesen werden und sich so bezeichnen, und die aufgrund ihrer Körper oder ihrer wilden und einzigartigen Wesen schmerzhafte Erfahrungen machen mussten. Das Sternchen hinter Frauen* steht übrigens für: Frauen Lesben Inter Non-binary Trans*. Also Menschen, die sich als weiblich identifizieren oder als weiblich gelesen werden. Weil ich eben alle Frauen* mitdenken möchte, ist es mir ein Anliegen sie auch sprachlich sichtbar zu machen.

Alle deine Einnahmen aus Confatty steckst du wieder in die Produktion, du investierst viel Energie in das Projekt. Hast du schon einmal daran gedacht dich hauptberuflich Confatty zu widmen? Bis heute habe ich kein Verlangen danach verspürt mich hauptberuflich Confatty zu widmen. Warum auch? Ich liebe meine Lohnarbeit. Da kann ich mich als Mensch auch verwirklichen. Mein Wirken als Confatty ist bislang idealistisch, weil ich verstanden habe, wie privilegiert ich bin. Damit hat Mensch aus meiner Sicht auch Verantwortung. Confatty ist mein persönlicher, sinnstiftender, unmittelbarer Beitrag an diese Gesellschaft, denn das Thema Selbstwirksamkeit bei Frauen* ist mir ein aufrichtiges Anliegen. Und solange ich das kann und Bock darauf habe, werde ich das auch weiter so handhaben.

sw illustration lucky rebel

Sei lieb zu dir!

Du machst Confatty, betreust eine feministische Veranstaltungseite und arbeitest hauptberuflich im sozialen Bereich. Wie kommt das alles zusammen, hat dein Tag mehr als 24 Stunden? *lacht* Ich dehne meine Zeit in zweimal 24 Stunden. Nein, in Wirklichkeit versuche ich immer in meiner Kraft zu bleiben und stemme das, was mir möglich ist. Oder ich versuche Strukturen so zu organisieren, dass Dinge möglich werden. In Bezug auf die Fem_Veranstaltungs Seite ist das zum Beispiel so, dass die Idee war, diese durch ein Kollektiv zu betreuen. Damit diese Seite auf mehrere Schultern verteilt wird. Und in Bezug auf Confatty, lege ich mir keine Zwänge auf. Ich mache das, wie ich kann und mag.

Ein Herzmensch hat mal zu mir gesagt „Sei lieb zu dir“, ich schätze, dieser kleine Satz ist Teil meiner Lebensphilosophie geworden. Ich bin lieb zu mir und mache was mir gut tut. Und letztlich ist es so, dass mir all diese Dinge ultra viel Freude bereiten. Ich kann in meiner Stärke tätig sein und es sind daher keine Pflichtaufgaben, sondern ich setze alles bereitwillig und mit Begeisterung um.

Shiva Illustration die viele mittelfinger zeigt

Ich mache nur worauf ich Bock habe

Was hat sich seit der Krise für dich verändert, gerade in Bezug auf confatty? Ich habe jetzt sehr viel Zeit. *lacht* Aber das bedeutet ja erstmal nichts, denn auch in Corona Zeiten zwinge ich mich nicht, diese konstruktiv zu nutzen. Denn auch hier gilt für mich, ich mache nur worauf ich Bock habe. Momentan hätten viele Veranstaltungen stattgefunden, die nun natürlich ausgefallen sind. Das ist schade, aber notwendig. Ich vermisse den physischen Kontakt zur der Streetart Community. Du musst wissen, die Begegnungen dort sind zumeist lustig und sehr gesellig. Ich klebe sonst auch sehr gerne meine Sticker an die Wände von Club oder Bartoiletten, das fällt leider auch weg. Aber die Zeit wird wiederkommen. Vielleicht nicht gleich, aber irgendwann. Solange mache ich das Beste aus der Situation. Danke für das Gespräch. Wir wünschen dir alles Gute, bleib gesund!

Diva Vereinsmitglied Nina Klingbeil-Liesegang, Eventmanagerin und Webdesignerin, lebt mit ihrem Ehemann und zwei Herzenskindern in Berlin-Steglitz. Sie ist zusammen mit Ihrem Mann Christian Liesegang für die Umsetzung der Diva-Website verantwortlich. Nina stellt unter #DivaSupport selbstständige Frauen und ihre Arbeit vor und gibt unter #DivaDigital Tipps für die Umsetzung von digitalen Geschäftsmodellen.